Expedition Dankbarkeit, Talk in der Huma, Veranstaltungen

Von Donuts, Regenbogenfahnen und Philosophen – Vierter Talk in der Huma

Überraschendes, Spannendes und Liebenswertes gab es wieder zu hören beim zweiten digitalen „Talk in der Huma“. Corona hat uns noch einmal aufs Internet verwiesen, aber das hat uns gar nicht gehindert, interessante Gäste aus unterschiedlichen Generationen, beruflichen Bereichen und Lebenssituationen zusammenzubringen zu einem Talk über Gott und die Welt.

Moderatorin Prof. Dr. Claudia Nothelle aus Magdeburg gelang es wieder sehr schnell, mit einem „Fragen-Hagel“ den Einstieg in dieses digitale Event zu schaffen und half so, die Gäste schnell kennenzulernen.

Die Podiumsgäste waren Prof. Dr. Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, S. Juliane Stockheim, Gründerin der Fail in love-Nights in Köln und Judith Alenfelder, Doktorandin der Pharmazie und aktuell auch Impf-Apothekerin in Sankt Augustin.

Prof. Ihne, zum Motto des LebensRaum Kirche befragt, legte den Begriff „Dankbarkeit“ philosophisch aus und spannte einen großen Bogen über das ganze Thema. Dass sein Beruf als Hochschullehrer aber beileibe nicht etwas rein Theoretisches ist, konnte er an diversen Beispielen illustrieren Dankbarkeit besonders, unter den aktuellen Coronabedingungen. Die Hochschule impft z.B. auch und die Dankbarkeit der Mitarbeitenden kam ihm und den anderen Initiator:innen so überwältigend  entgegen, dass es noch einmal ein ganz neues Licht auf die Bedeutung der Impfung und der Befreiung, die damit für viele gegeben war, geworfen hat. So berichtete er von einer neu eingeführten Probephase von einem ersten Jahr im Studium, für das Studierende so dankbar waren. Auch wenn man dann feststellt, dass das Studieren nicht das Richtige ist, dann ist es eben nicht Abbruch des Studiums und Scheitern darin, sondern eine Probemöglichkeit. Würde und Wertschätzung als Anlass für Dankbarkeit passieren manchmal ganz unerwartet und überraschend – Dankbarkeit bringt „einen gut drauf“, so Prof. Ihne.

Judith Alenfelder, die eigentlich gerade an einer Doktorarbeit schreibt, jetzt aber auch als Impf-Apothekerin im Sankt Augustiner Impfzentrum arbeitet und dort Dankbarkeit erfuhr, bereicherte das Gespräch einerseits mit Beispielen aus diesem Impfkontext, der ja aktuell viele beschäftigt, zugleich aber auch mit sehr praktischen Beispielen zur Dankbarkeit aus dem persönlichen Leben, seien es einfach Umarmungen oder mal für jemandem, dem man dankbar ist, ein paar Donuts mitgebracht zu bekommen. Donuts dann nicht, um sich Dankbarkeit „einzukaufen“, weil man am nächsten Tag ein Gegengeschenk erwartet, sondern einfach aus Freude am Freude-Bereiten.

Die Initiatorin der FAIL IN LOVE NIGHTS, Juliane Stockheim, konnte davon berichten, dass man auch bei gescheiterten Beziehungen durchaus Dankbarkeit empfinden kann, Scheitern ist das neue Wachsen“. Denn Scheitern heißt ja gerade nicht, dass das Leben danach vorbei ist, sondern es geht immer auch darum, aus dem Scheitern etwas zu lernen. Auch das Scheitern in der Liebe, ein durchaus schweres Thema, birgt die Möglichkeit, das Erfahrene positiv und konstruktiv zu wenden. Es geht ihr, nach dem Vorbild der sog. „fuck-up-nights“, nicht nur um ein Kratzen an der Oberfläche, sondern um Gespräche auf einer viel tieferen Ebene, Gespräche, die „einem ans Herz gehen“. Zudem konnte Juliana Stockheim auch positiv berichten, dass auch diese „FAIL IN LOVE NIGHTS“ im digitalen Format gelingen können. Nicht nur, aber auch in diesem Kontext des Talk-Abends konnten die Chancen des Digitalen auch spontan genutzt werden: Marcus Tannebaum, Mitglied im Vorstand des LebensRaum Kirche e.V. und verantwortlich für die Technik des Abends, blendete, passend zu den Themen, die angesprochen wurden, nicht nur die Donuts, sondern auch die Regenbogenfahnen ein, die an allen katholischen Kirchen der Stadt Sankt Augustin gerade wehen.

Wofür sind wir eigentlich dankbar, wenn wir dankbar sind? In die Beantwortung dieser Frage, aufgebracht von Herrn Ihne, konnte durch eine spontane Befragung über „Mentimeter“ (ein digitales Umfragemedium) auch das Publikum einbezogen werden. Von Familie über Kaffee, von der Corona-Imfpung über einen endlich wieder möglichen Besuch, von einem materiellen Geschenk über das einfache Dasein bis hin zu der Erfahrung, dass da jemand ist, der uns alle in den Händen hält.

Wird Dankbarkeit antrainiert oder ist es eine positive Haltung für das eigene Leben? Ist es eine Chance, eine Lebensperspektive zu gewinnen, geprägt von dem Blick  auf die Dinge, die gut gelaufen sind? Bringt das Freiheit oder Abhängigkeit? Ist ein solches Erleben von Dankbarkeit geprägt vom Blick auf die kleinen Dinge? An wen ist die Dankbarkeit für den schönen Sonnenaufgang, für das freundliche Lächeln gerichtet? Gibt es in der Dankbarkeit eine religiöse Dimension? Welche Bedeutung hat Dankbarkeit auf der personalen, zwischenmenschlichen Ebene? im Blick auf ein Ehrenamt, auf das System, in dem wir leben können, auf eine göttliche Dimension? Gesprächsthemen und wirklich tiefe Fragen, die angerissen werden konnten, aber sicher viel Stoff auch gegeben haben für weiteres Nachdenken.

Titelbild (Composing): Photo by Isaac Quesada on Unsplash

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