
4 Minuten Schweigen, 4 Minuten Reden: Das Experiment „Zuhören“
Erinnert ihr euch an das letzte Mal, als euch jemand vier Minuten lang am Stück zugehört hat? Ohne zu unterbrechen, ohne Ratschläge zu geben, ohne das Handy zu checken? Im LebensRaum Kirche haben wir genau das gewagt. Der zweite Abend unserer „Kleinen Reihe“ stand unter dem Motto: „Mut zum Dialog: Sprechen und zuhören“.
Alte Bekannte und neue Gesichter
Es war rappelvoll! Besonders schön: Gut die Hälfte der Gäste war schon beim ersten Termin dabei – das Thema Einsamkeit bewegt also nachhaltig. Unter der Leitung von Psychologin und Coach Miriam Unverzagt starteten wir mit einem Warm-up im großen Kreis. Doch dann wurde es ernst (und spannend).
Das Experiment: Die 4×4-Methode
Die Regeln für unsere 4er-Gruppen waren simpel, aber herausfordernd:
- Sprechen: Erzähl von dir, deinen Erlebnissen mit Einsamkeit. Nicht bewerten, nicht rechtfertigen. Schweigen ist auch okay.
- Zuhören: Einfach nur da sein. Nicht unterbrechen. Sich selbst beobachten: Was macht das Gehörte mit mir?
Die Überraschung: Reden ist Silber, Zuhören ist … schwer?
Obwohl sich viele Teilnehmer vorher gar nicht kannten, fanden sich die Gruppen blitzschnell. In drei Durchgängen wurde es intensiv. Das verblüffende Fazit der Abschlussrunde: Vielen fiel das reine Zuhören deutlich schwerer als das Reden. Wir sind es so gewohnt, sofort zu antworten oder Lösungen anzubieten, dass das bloße „Dasein“ fast wie Arbeit wirkte.
Nähe in Rekordzeit
Was uns besonders berührt hat: In der letzten Runde brachen fast alle Gruppen das strenge Konzept auf. Die Verbindung war so schnell so tief geworden, dass ein lebendiger, enger Austausch entstand. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einem Fremden in so kurzer Zeit so nah kommen kann“, resümierte ein Teilnehmer.
Für uns im LebensRaum Kirche war dieser Abend ein Experiment – und was sollen wir sagen? Es hat wunderbar funktioniert. Wahre Begegnung braucht eben keinen Smalltalk, sondern echten Raum.

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